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Hyperaktive Nervensäge, zwanghafter Kontrollfreak? – So erziehst du deinen aufgeregten Welpen

Du kannst keinen Schritt allein gehen, überall hin verfolgt dich deine Fellnase. Dein Hund schaltet weder nachts noch am Tage richtig ab. Anstatt zu schlafen oder in seinem Körbchen zu dösen, will er ständig vor die Tür oder fordert dich zum Spielen heraus. Das kann nicht normal sein, bist du dir sicher und fragst dich, was du gegen seine angeblichen Auffälligkeiten unternehmen kannst. Ganz einfach: Als erstes akzeptiere sie. Weitermachen wie bisher solltest du im Zusammenleben mit dem Welpen aber trotzdem nicht.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Bevor du dir einen Welpen ins Haus geholt hast, hast du dich für eine bestimmte Rasse entschieden. Denn nicht nur das Aussehen, sondern auch die Veranlagungen und das Temperament müssen mit deinen Bedürfnissen übereinstimmen. Ein Hund mit hoher körperlicher Aktivität benötigt einen Besitzer, der ebenfalls ständig ausgepowert werden will. Sonst fühlt er sich unterfordert und wird auffällig. Doch auch wenn du zu den Menschen mit einem hohen Energielevel gehörst, kannst du deinen Verbeiner stressen. Du überforderst ihn. Nämlich damit, dass du ihm keine ausreichende Struktur gibst und dadurch, dass du dich auf tausend Dinge gleichzeitig konzentrierst, leider auf keines von ihnen zu 100 Prozent. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass es in letzter Zeit in der Beziehung häufiger kriselt. Möglicherweise läuft es im Job nicht wie gewünscht, obwohl du augenscheinlich alles gibst. Es kann sein, dass du dich krank oder urlaubsreif fühlst, dir aktuell aber keine Fehlzeiten leisten kannst (beziehungsweise willst). Normalerweise sagt man Hunden nach, dass sie Menschen beruhigen. Doch deiner löst zu allem Unglück durch seinen ständigen Übermut noch mehr Hektik in deinem Alltag aus.

Warum verhalten sich Hunde so unterschiedlich?

Grundsätzlich entscheidet die Rasse über die Veranlagungen deines Hundes. Der Hütehund wird immer ein Hütehund bleiben, auch wenn er über Generationen nicht mehr für diese Arbeit eingesetzt wurde. Steht ihm keine Viehherde zur Verfügung, die er bewachen kann, hütet er eben die Familie. Der augenscheinliche Kontrollfreak lebt seine Triebe aus.

Einige Rassen wie der Belgische Schäferhund wurden sogar gezielt dahingehend gezüchtet, dass sie ein höheres Stresslevel besitzen. Man wollte, dass der Hund ständig in Alarmbereitschaft ist, damit er kleinste Veränderungen in der Herde oder auf den Hof blitzschnell erkennt und umgehend reagiert. Hyperaktiv ist er deswegen nicht.

Rassen, die zum Bewachen des Grundstücks gezüchtet wurden, verhalten sich territorial. Sie bellen auch, wenn Freunde zu Besuch kommen. Falls dein Hund zu den Jagdhunden gehört, musst du lange mit ihm üben, bis du ihn ohne Leine laufen lassen kannst, wenn er unterwegs nicht Rehe oder Hasen verfolgen soll. Er besitzt von Natur aus einen hohen Jagdtrieb. Wenn dir die natürliche Veranlagung deines Hundes nicht passt, hättest du beim Kauf eher mit dem Kopf als mit den Augen entscheiden und eine andere Rasse wählen müssen. Dafür ist es jetzt zu spät. Wenn du deinem Hund nicht die ursprüngliche Aufgabe bieten kannst, suche nach Alternativen.

 

Neben der Rasse bestimmen erbliche Voraussetzungen, wie sich dein Hund im Alltag verhält. Ständige Ruhelosigkeit, die du vielleicht als Hyperaktivität auslegst, kann beispielsweise daraus resultieren, dass deine Fellnase nicht gut sozialisiert wurde. Vielleicht wurde der Hund seiner Mutter und den Geschwistern zu früh entzogen, eventuell resultiert die geringe Stresstoleranz aus fehlendem Aussetzen mit Umweltreizen. Selbst in der pränatalen Phase kann sich die ungewöhnliche Rastlosigkeit oder eine übermäßige Ängstlichkeit des Vierbeiners bereits herausbilden. So bei Straßenhunden, wenn das Muttertier ständig auf der Flucht vor menschlichen Übergriffen ist oder unter einem starken Konkurrenzdruck/Futterneid durch Artgenossen steht. Noch Generationen später können sich diese Auffälligkeiten zeigen.

Hauptgrund für Unruhe: falsche oder mangelnde Beschäftigung

Dein Hund fühlt sich körperlich und geistig nur ausgelastet, wenn du ihn regelmäßig und richtig beschäftigst. Das machst du, bist du dir sicher. Denn du spielst jeden Tag mit ihm, übst mit ihm das Befolgen deiner Kommandos. Du pflegst ihn und fütterst ihn ausgewogen. Jedes Wochenende steht der Besuch der Hundeschule an, die du dir einiges kosten lässt. Scheinbar weiß dein Hund deine Bemühungen nicht zu schätzen, obwohl du ihn für äußerst schlau einschätzt. Was ist der Grund?

Dein unruhiger Hund gehört mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer hoch aufmerksamen Rasse, die einst als Arbeitshund gezüchtet wurde. Selbst wenn er nichts zu tun hat, fährt er seine Antennen aus und nimmt die Umwelt bis in die kleinsten Details in sich auf. Er „liest dich“: spürt, wie es dir gerade geht, ob du dich wohl oder überfordert fühlst, ob dich jemand oder du dich selbst unter Druck setzt und dass du (auch mit dem Hund) unzufrieden bist. Deine Gefühle übertragen sich auf ihn.

Genauso erlebt dich dein Hund in ständiger Bereitschaft in allen Lebensbereichen. Er merkt auch, dass du dich auf keine Sache richtig konzentrierst. Bevor du deinen Hund „aufs Sofa“ schickst, prüfe dich selbst und arbeite an dir. Dann wird auch dein Hund ruhiger. Keine Sorge, das kostet weder Zeit noch Geld, sondern nichts weiter als Ausdauer! In der ersten Zeit wirst du dich immer wieder zur Ordnung rufen müssen, um die eingefahrenen Strukturen aufzubrechen.

Prioritäten setzen

Davon, dass du deinen Tag anders strukturieren sollst, willst du sicher nichts hören. Dein Terminkalender quillt jetzt schon über und du weißt oft nicht, was du zuerst erledigen sollst. Das ist dein eigentliches Problem. Durch den fehlenden Wechsel an Aktivität und ECHTEN Erholungszeiten setzt du deinen Körper und dein Gehirn ständig unter Stress, wodurch auf die Dauer der Organismus leidet. In der heutigen Zeit ist es üblich, dass man meint, ohne Kommunikationsmittel nicht auszukommen. Das Smartphone, das Tablet und der Computer sind ständig angeschaltet. Man erwartet Nachrichten, so dass das Gehirn stets in Alarmbereitschaft ist. Nebenbei läuft der Fernseher, die Freundin möchte mal wieder reden und beschwert sich über die fehlende Aufmerksamkeit. So kommt es zur Reizüberflutung, die auf ein Burn-out hinausläuft. Auch dein Hund nimmt diese Signale auf. Optimiere deine Zeiten, indem du Wichtiges klar von Unwichtigem trennst. Kein Mensch kann und muss ständig erreichbar sein. In der Freizeit, im Urlaub schaltest du sämtliche Kommunikationsmittel aus und lässt berufliche Probleme nicht an dich heran. Du legst Spielphasen fest, in denen du dich ausschließlich auf deinen Vierbeiner konzentrierst. Die Freundin kommt natürlich auch an die Reihe, damit die Beziehung läuft und du dir während der Arbeitszeit keine unnötigen Gedanken machen musst. Obwohl dir dieser Rhythmus anfangs ungewohnt erscheint, zahlt er sich langfristig aus. Die straffere Planung lässt dir eine Menge mehr Zeit, die du für dich allein oder für dich und den Vierbeiner nutzen kannst.

Alles halb so wild?

Letztlich solltest du dich fragen, ob du die angeblichen Verhaltensauffälligkeiten deines Hundes nicht eigentlich überschätzt. Handelt es sich wirklich um eine psychische Störung? Oder kann es sein, dass dein Gedankenmodell derzeit nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt? Stell dir vor, du hättest gerade sehr viel Zeit, beispielsweise weil du längst in Rente bist und nur wenige Freunde und Hobbys hast. Was würdest du dann denken, wenn dich dein Hund ständig verfolgt? Wahrscheinlich wäre das für dich etwas ganz Normales, weil du die Ersatzrolle der Hundemutter übernommen hast und der Welpe inzwischen auf dich geprägt ist. Du würdest dich freuen. Wenn er dich genauso häufig wie jetzt zum Spielen auffordern würde, könntet ihr beide relaxen und glücklich sein. Denn wer wünscht sich nicht einen aufgeweckten Welpen, mit dem man toben kann?

Tips Tipps: Schon gewusst?

Aufgeregte Hunde müssen lernen, dass sie im Alltag ihrer Leute nicht immer an erster Stelle stehen. Sonst sind Belohnungen/Zuwendungen nichts Besonderes. Sie fordern dann immer mehr, stressen sich selbst und andere, bis sie überdrehen. Dann werden sie tatsächlich verhaltensauffällig. In der Erziehung lohnt es sich, auf die korrekte Ausführung von Kommandos zu achten. Dabei lernt der Welpe, sich zu konzentrieren. Vor dem Training und hinterher baut er beim gemeinsamen Spiel aufgestaute Energien ab.

 

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